Die WeQ Alliance versteht sich als ein lernendes Netzwerk, das in einem kollaborativen Prozess unserer Experten, Partnern und Vordenkern mit seinen Mitgliedern – Entrepreneuren – eine zukunftsweisende und hoch attraktive Wirtschaftsweise anstrebt. Diese baut auf den Werten von Teilhabe, Empathie, Transparenz, Resilienz, Nachhaltigkeit, gesamtsystemischer Verantwortung, individueller und kollaborativer Potenzialentfaltung, Selbstverantwortung und Subsidiarität auf.

Im Zuge der Digitalisierung arbeiten die Mitarbeiter in den Unternehmen immer mehr selbstorganisiert und treffen eigenverantwortlich Entscheidungen. Dabei werden sie mit einer hohen Komplexität und ständig mit neuen, unvorhersehbaren Entwicklungen konfrontiert. Dafür benötigen sie Orientierung durch Werte, die als Ordner ihres Handelns diese Selbstorganisation erst möglich machen. Deshalb kommt den Werten und dem Wertemanagement in Verbindung mit einem gezielten Kompetenzmanagement eine immer größere Bedeutung zu.

Werte sind Ordner, welche die Selbstorganisation des menschlichen Handelns bestimmen oder zumindest stark beeinflussen

Die künftige Arbeitswelt wird deshalb eine Kompetenzwelt sein, in der Werte als Handlungsanker für selbstorganisierte Prozesse mit digitalisierten Systemen dienen. Die Digitalisierung führt dabei zu einem radikalen Wandel des Lernens.

Investoren treffen ihre Investitionsentscheidungen immer mehr nicht nur nach dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, sondern erwarten eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. [1]  Sie fordern unternehmerisches Handeln im Einklang mit Gesetzen, Richtlinien, Kodizes (Compliance) und Satzungen, also mit Werten im Bereich  Norm und Gesetz, aber insbesondere auch mit ethisch-moralischen Werten, wie Verantwortung und Respekt gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft, einschließlich Umwelt- und Klimaschutz, also Nachhaltigkeit.

Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Union Investment will mittelfristig fast das gesamte verwaltete Vermögen nachhaltig anlegen,  weil sie davon ausgeht, dass sich verantwortungsvolles, werteorientiertes Handeln langfristig auszahlt. Das liechtensteinische Technologieunternehmen Hilti, das alle zwei Jahre einen unternehmensweiten Prozess zur Beschäftigung aller Mitarbeiter mit den Werten der Unternehmung initiiert,  erzielt eine Eigenkapitalrendite von 20 %. Die Deutsche Bank AG  formulierte in ihrem Geschäftsbericht 2012,  „… unternehmerische Verantwortung bedeutet für uns, Wert mit Werten zu schaffen. Wert von dem alle unsere Interessengruppen – unsere Kunden, Mitarbeiter, Anleger und die Gesellschaft – profitieren“. Die Praxis des Handelns war aber eine andere, wie beispielsweise der Libor-Skandal mit der gezielten Manipulation der Referenzzinssätze unter Banken und weitere Vergehen zeigten. 2015 lag die Eigenkapitalrendite schließlich bei rund minus 10 %!

Diese Beispiele zeigen deutlich, was den Unterschied ausmacht. Wenn die Unternehmensstrategie, das Handeln der Führungskräfte und die verinnerlichten (!), nicht die in Hochglanzbroschüren formulierten Werte, kaum zusammenpassen, dann werden sich nachhaltig negative, teilweise existenzbedrohende, Konsequenzen für die Unternehmen ergeben.

Unternehmen benötigen deshalb die stete Aufmerksamkeit für die Verinnerlichung, die „Interiorisation“ von Werten auf allen Ebenen, der Individuen, der Teams und der gesamten Organisation. Die obere Führung muss über ihr symbolisches Handeln deutlich machen, dass ihre Entscheidungen und Handlungen konsequent wertekonform sind. Die Formulierung der gemeinsamen, angestrebten Werte ist aber nicht von oben zu verordnen, sondern in einem Prozess unter Einbeziehung der Mitarbeiter zu initiieren.

Voraussetzung dafür sind die Erhebung der Ist-Werte, aber auch der Wunsch-Werte durch die Mitarbeiter auf Organisationsebene, also der aktuellen und der erwarteten Organisationskultur. Werte sind schwer fassbar, manchmal fast unfassbar.  Wertungen sind einer Messung schwer zugänglich. Wir haben lange gebraucht, ein solches Verfahren – gemeinsam mit Prof. Dr. John Erpenbeck – für unsere Zwecke zu entwickeln, und auch international liegen vergleichsweise wenige Methoden vor. Andererseits spielen Werte eine so große, eine so schnell zunehmende sozialhistorische Rolle, dass wir nicht zögern, von dem Megatrend Wertegesellschaft zu sprechen.

Von der Informationsgesellschaft zur Wissensgesellschaft, von der Wissensgesellschaft zur Kompetenzgesellschaft und von der Kompetenzgesellschaft letztlich zur Wertegesellschaft verläuft die gesellschaftliche Entwicklung, ohne andere Entwicklungsziele, andere Megatrends zu negieren. Damit ist der Weg zur selbstorganisierten Kompetenzentwicklung und zur gezielten Werteentwicklung geebnet.

Die Erkenntnis, Werte sind die Kerne von Kompetenzen,  bildet das Zentrum unserer Argumentation. Christian Fischer hat diesen Satz in einer umfangreichen Publikation nicht nur theoretisch erhärtet und verdichtet, er hat ihn auch empirisch angewendet und erfolgreich umgesetzt.[2] Der Satz besagt etwas zugleich Triviales und Umstürzendes. Wir können noch so viel Informationen und Sachwissen anhäufen, noch so viele Erfahrungen sammeln, für unser Handeln sind letztlich immer verinnerlichte Wertungen, Werte der persönlichen, menschlichen, sozialen, kulturellen, religiösen, politischen Situation entscheidend, in der wir handeln. Werte  werden aber nur wirksam, wenn sie zu eigenen Emotionen und Motivationen verinnerlicht, „interiorisiert“ oder „internalisiert“ werden. Erfolgreiches Handeln setzt entsprechend interiorisierte Wertungen , Werte voraus. Werte „überbrücken“ fehlendes Sachwissen, und machen damit ein Handeln überhaupt erst möglich.

Folgt man dem, sind die Folgerungen unumgänglich. Kompetenzentwicklung beinhaltet zwangsläufig Werteentwicklung. Werteentwicklung kann und darf sich aber nicht der gleichen Formen bedienen, wie die herkömmliche seminaristische Bildung. Die gezielte Werteentwicklung von Persönlichkeiten erfordert vielmehr fundamental eigene gedankliche und praktische Herangehensweisen, die sich von der gewohnten betrieblichen Weiterbildung mit wissens- und qualifikationsorientierten Zielen deutlich utnerscheidet.

Eine gelingende Kompetenzentwicklung findet zunächst und vor allem in der Praxis, im realen Handeln der Menschen statt: In der modernen Lebens- und Arbeitswelt, im Netz, innerhalb moderner, agiler Arbeitsmethoden. Coaching und Mentoring sind weitere wichtige Formen, in denen nicht primär Wissen weitergegeben sondern Wertehaltungen, Werteorientierungen gefestigt werden. Nicht alle, aber viele Formen von Training vermögen Werteentwicklungen anzuregen, sofern sie realitätsgleiche Lernsituationen ermöglichen.

Werte können nicht „vermittelt“ werden, auch nicht durch noch so brillante Vorträge, schöne Hochglanzbroschüren oder detailliert geplante Lehreinheiten. Werteentwicklung ist nur über die emotionale Irritation, Berührung, Erschütterung und Labilisierung, dem im emotionalen Sinn Erleben und Bewältigen von Dissonanzen, also Zweifeln, Widersprüchlichkeiten oder Verwirrung,  in realen Herausforderungen möglich. Sie können also nur über bewusste und unbewusste Emotionen selbstorganisiert interiorisiert,  d. h. verinnerlicht, werden.

Gezielte Werteentwicklung ist dabei letztlich immer auf verändertes Handeln gerichtet und bezieht damit die Kompetenzentwicklung mit ein. Werte werden im praktischen Handeln geboren, durch praktisch Handelnde verinnerlicht, bewähren sich im praktischen Handeln, bleiben in dieser Praxis bestehen oder gehen irgendwann auch darin unter.

Die WeQ Alliance hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltige und innovative Werte- und Kompetenzentwicklung in Unternehmen zu ermöglichen. Mit ihren Wertangeboten erheben unsere Experten deshalb zu Beginn der Konzipierung einer neuen Lernkonzeption die Werte und Kompetenzen auf Organisaitonsebene und entwickeln in einem kollaborativen Prozess mit Entscheidern den Status Quo ihrer Organisation und die strategische Orientierung. Neben der klassischen Analyse des bestehenden Geschäftsmodells und der damit einhergehenden strategischen Differenzierung erweitert dieses Team die Betrachtungsweise um Themen wie  z. B. Kooperation, Nachhaltigkeit, Circular Economy, Sinnorientierung, Mensch und Kultur, Social Innovation, neue Arbeit. Damit wird eine Standortbestimmung der Organisation ermöglicht, die wiederum die Basis für die organisationsspezifische Definition von Wirtschaften in der Zukunft sowie der daraus abgeleiteten gezielten Werte- und Kompetenzentwicklung der Organisation, ihrer Teams und Mitarbeiter bildet.

Es erfolgt ein Paradigmenwechsel, weg von vorgegebenen Wissens- und Qualifikationszielen in Curricula hin zu bedarfsgerechten, individuellen Werte- und Kompetenzzielen auf Basis von Erhebungen der Werte und Kompetenzen auf individueller und teambezogener Ebene. Alle Mitarbeiter und Führungskräfte können daraus abgeleitet mit professioneller Lernbegleitung ihre personalisierte Learning Journey, jedes Team seine eigenen Entwicklungsprozesse zur gezielten Werte- und Kompetenzentwicklung gestalten. Arbeiten und Lernen wachsen dabei zusammen (Workplace Learning).

[1] vgl. Schoppen W (2019)

[2] Fischer, C.A. (2019): Werte als Kerne von Kompetenzen. Eine theoretische Studie mit einer empirischen Analyse in Montessori-Schulen. Münster, New York